Chemotherapie bei Dickdarmkrebs

Wie spezielle Therapeutika im Kampf gegen die Krebszellen helfen.

Allgemeines:
Tumorerkrankungen werden in den Industrieländern immer häufiger. Die meisten Tumorerkrankungen müssen als durch unsere Lebensweise verursacht gelten. Beim Dickdarmtumor stehen Übergewicht, Fettsucht, Zuckerkrankheit, Bewegungsmangel aber auch das Rauchen an erster Stelle (= sporadische Dickdarmtumoren). Nur selten ist Dickdarmkrebs eindeutig angeboren. Dickdarmtumore entstehen in der drüsenbildenden Schleimhaut des Dickdarms. Während für die Operation und auch die Strahlentherapie für Mastdarm- (=Rektum) und Dickdarmkrebs (=Colon) verschiedene Behandlungsstrategien verfolgt werden, ähnelt sich die medikamentöse Therapie besonders bei fortgeschrittenen Stadien für beide Erkrankungen sehr. Grundlage für eine korrekte Tumortherapie ist immer die eindeutige mikroskopische (histologische) Gewebediagnose, die beim Dickdarmkrebs typischerweise durch ein endoskopisches Verfahren mit einer Probegewinnung (Biopsie) erreicht wird. Bei der Therapieplanung fast aller Tumorerkrankungen gilt, dass die Behandlungsergebnisse verbessert werden können, wenn Planung und Therapie in dafür spezialisierten Zentren erfolgen. Hier sitzen Vertreter der unterschiedlichen Fächer zusammen und beschließen gemeinsam die für den individuellen Patienten korrekte Therapie.

Was ist Chemotherapie?
Chemotherapie beschreibt die gegen Krebszellen gerichtete Therapie, die sich auf Gabe von Medikamenten stützt. Diese Medikamente können dabei als Tabletten oder als Spritzen verabreicht werden. Verwendung finden Medikamente, die sehr häufig aus Naturstoffen, in letzter Zeit aber auch gentechnologisch hergestellt werden. Es werden verschiedene Klassen von Chemotherapeutika unterschieden. Beim Dickdarmkrebs finden vor allem ältere Stoffe wie das 5-Fluorouracil (5-FU), meist kombiniert mit dem B-Vitamin Folinsäure Verwendung. Diese beiden Medikamente werden in den letzten Jahren zunehmend mit neuen Substanzen wie Oxaliplatin oder Irinotecan (CPT-11) kombiniert. Neuerdings kommen auch noch ganz andere Medikamente zum Einsatz, welche nicht als klassische Chemotherapeutika, sondern entweder als Antikörper oder kleine Moleküle (Englisch: „small molecules“ ) charakterisiert werden. Vor allem einige moderne Antikörper haben sich auch beim Dickdarmtumor bereits einen festen Platz in der Therapie erobert. Ein Problem hierbei ist, dass trotz sehr hoher Kosten vorab nicht klar ist, welcher Patient auf eine Therapie ansprechen wird (bei einer Antikörperbehandlung können während einer viermonatigen Therapie schnell 40.000 Euro an Kosten entstehen).

Adjuvante Chemotherapie

Eine adjuvante Therapie beschreibt die Tumortherapie, welche nach einer an sich heilenden Operation („kurative“ Operation) gegeben wird und von der man aus großen Behandlungsstudien weiß, dass sich dadurch die Prognose bei diesen an sich als geheilt geltenden Patienten statistisch gesehen verbessern kann. Das Problem hierbei ist, dass man viele Patienten therapiert, aber nur einem kleinen Teil wirklich dadurch geholfen wird, nämlich dem, der ohne diese adjuvante Therapie einen Krankheitsrückfall erlitten hätte. Da man vorab diese Patienten nicht erkennen kann, wird nach bestimmten Schemata eine adjuvante Therapie empfohlen, wenn nämlich das Rückfallrisiko als hoch angesehen wird und statistisch klar ist, dass man einem Teil der Patienten durch die adjuvante Therapie den Rückfall erspart.

Beim Colonkarzinom besteht die Indikation zu einer adjuvanten Behandlung in einer alleinigen Chemotherapie. Sie wird dann gegeben, wenn kein Anhalt für Fernmetastasen vorliegt und Lymphknoten im Operationspräparat von der Krebserkrankung befallen waren (so genanntes N + Stadium (für Nodus = Lymphknoten)). Wichtig ist hierbei, dass Operateur und Pathologe gefordert sind. Es sollten mehr als 12 Lymphknoten im Operationspräparat vorhanden sein, um hierüber korrekt Auskunft geben zu können. Sind Lymphknoten befallen, liegt ein N+ Stadium (oder UICC Stadium 3) vor, und es erfolgt eine Behandlung über sechs Monate. Normalerweise werden die notwendigen Medikamente über eine zentrale Vene gespritzt, eines der Medikamente muss über eine längere Zeit von 48 Stunden einlaufen, was eine Anlage eines zentralen Venenkatheters (so genanntes Port System) notwendig macht. Diese Chemotherapie wird dann alle zwei Wochen wiederholt. Man geht davon aus, dass somit ca. 20 – 30% weniger Rückfälle und krankheitsbedingte Sterbefälle allein durch die Gabe der richtigen medikamentösen Behandlung auftreten. Wichtig ist, dass diese Behandlung nicht später als sechs Wochen nach der Operation einsetzen sollte. Man hat auch herausgefunden, dass zusätzliche sportliche Betätigung die Prognose der Erkrankung deutlich verbessert.

Chemotherapien verursachen Nebenwirkungen. Die beim Dickdarmkrebs gegebenen Medikamente 5-FU, Oxaliplatin und Irinotecan verursachen jedes unterschiedliche Nebenwirkungen und schließen leichte Übelkeit, Schleimhautschädigung mit Durchfall, Hautschäden und Schädigung der peripheren Nerven im Sinne einer Empfindlichkeitserhöhung insbesondere für Kältereize ein. Nebenwirkungen sollten nur in seltenen Fällen zur Unterbrechung einer solchen Therapie führen.

Chemotherapie in fortgeschrittenen Stadien

Moderne Therapieverfahren ergänzen die Behandlung mit Medikamenten.

Wenn eine Dickdarmtumorerkrankung nicht mehr heilbar ist, treten Aspekte der Lebensverlängerung, aber auch zunehmend der Lebensqualität in den Vordergrund. Im Prinzip kommen die schon oben benannten Medikamente zum Einsatz. Sie werden ergänzt durch moderne Therapieverfahren wie die Antikörper Cetuximab und Bevacizumab. Cetixumab ist ein Antikörper, welcher eine Struktur auf den Tumorzellen erkennt und diese abschaltet (EGFR); Bevacizumab ist ein Antikörper, der einen für Tumorzellen wichtigen Wachstumsfaktor (VEGF), der sich im Blut befindet, neutralisiert und somit das Tumorwachstum hemmen soll. Beide Antikörper haben unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten, Kombinationspartner und auch Nebenwirkungen. Da es sich um biologische Medikamente handelt, können auch vollkommen andere Nebenwirkungen vorkommen, als dies von klassischen Zytostatika bekannt ist (z.B. hoher Blutdruck, Nierenstörungen oder Wundheilungsstörungen bei Bevacizumab; Hautstörungen sowie Allergie bei Cetuximab).

Die Behandlung im fortgeschrittenen Stadium sollte individuell gestaltet werden. Wichtig ist, dass nach Erreichen eines Behandlungserfolges die Therapie ruhig unterbrochen werden kann und wieder aufgenommen wird, wenn die Krankheit wieder aktiver wird. Im Allgemeinen wird dann ein anderes Therapieregime gewählt. Mit diesen individuell abgestimmten Behandlungsschemata konnte die mittlere Überlebenszeit der fortgeschrittenen Dickdarmkrebserkrankung von 8 – 10 Monaten auf nun nahezu 24 Monaten verlängert werden. Dabei muss die Erhaltung oder Verbesserung der Lebensqualität immer im Vordergrund stehen.

Die Ansicht, wann eine Dickdarmtumorerkrankung als unheilbar, wann als heilbar, gilt, hat sich ebenfalls in den letzten Jahren stark gewandelt. Durch verbesserte Therapieverfahren insbesondere bei vorliegenden Tumorabsiedlungen in der Leber können heute Patienten geheilt werden, die früher als unheilbar galten. Auch hier gilt, dass eine Vorstellung in einem Tumorzentrum sinnvoll sein kann, um diese Patienten zu identifizieren. Selbstverständlich sollte gerade bei Patienten mit fortgeschrittenen Tumorleiden die Behandlung möglichst wohnortnah und in engster Absprache von Spezialisten und Hausarzt erfolgen.

Strahlentherapie beim Darmkrebs

Die Strahlentherapie (Radiatio) hat beim Darmkrebs vor allem bei der Behandlung des Enddarmkrebses eine Bedeutung. Abhängig von der Größe und der Ausbreitung des Tumors kann eine Bestrahlung vor der Operation (neoadjuvante Radiatio) oder nach einer Operation (adjuvante Radiatio) angewendet werden. Die Bestrahlung wird in der Regel mit einer begleitenden Chemotherapie kombiniert. Die Behandlung des Enddarmkrebses erstreckt sich über mehrere Wochen. Zu einer Strahlentherapie muss ein Patient mit Darmkrebs täglich an 5 Tagen in der Woche zur Bestrahlung kommen. Im Durchschnitt sind 28-31 Bestrahlungen nötig. Der Grund hierfür liegt in der besseren Verträglichkeit der Strahlentherapie, wenn man die Gesamtdosis auf viele kleine Einzelgaben verteilt. Jede einzelne Bestrahlung dauert dabei nicht länger als zwei Minuten. Mit Vorbereitungen und Wartezeit dauert die Behandlung pro Tag in der Regel nicht länger als 15 Minuten.

Wie funktioniert die Strahlentherapie?
Die Strahlentherapie ist eine örtliche Behandlung. Dabei werden energiereiche Röntgenstrahlen zur Abtötung von Krebszellen eingesetzt. Grundlage hierfür sind durch die energiereiche Strahlung entstehende Schäden im Erbgut der Krebszelle. Das Erbgut befindet sich im Zellkern der Zellen in Form langer Molekülketten, der DNS. Durch energiereiche Röntgenstrahlen entstehen im Körper freie Radikale und elektrisch geladene Teilchen, die zu Brüchen in den DNS-Ketten führen. Dadurch können geschädigte Zellen ihr Erbgut nicht mehr lesen, was schließlich zur Teilungsunfähigkeit und zum Absterben der Zellen führt. Die Reaktionen, die in normalen Zellen oder Tumorzellen auftreten sind sehr ähnlich, denn die Strahlen können nicht unterscheiden, ob Tumorzellen oder gesunde Zellen getroffen werden. Trotzdem sterben mehr Tumorzellen ab, da sich normale (gesunde) Zellen normalerweise mit Hilfe von Reparaturmechanismen schneller und besser erholen können. Die Strahlentherapie wirkt nur in dem Bereich, der von den Strahlen erreicht wird; eine Ausbreitung der Strahlen in andere Teile des Körpers findet nicht statt.